Kollateralschaden

Bedeutungslose Morde

„On the morning of July 12th 2007 two Apache helicopters using 30mm cannon fire killed about a dozen people in the Iraqi suburb of New Bagdad. Two children were also wounded. Although some of the men appear to have been armed, the behavior of nearly everyone was relaxed. The U.S. military claimed that all the dead were ‚anti-Iraqi forces‘ or ‚insurgents'“

Wie im Video-Spiel

Dieses Video vom Einsatz eines US-Kampfhubschraubers im Juni 2007 wurde Wikileaks zugespielt und 2010 veröffentlicht. Es zeigt, wie in unter anderem der Photojournalist Namir Noor-Eldeen, sein Fahrer und Kamera-Assistent Saeed Chmagh sowie circa zehn weitere Personen auf einem öffentlichen Platz im Osten Bagdads „einfach so“ erschossen wurden.

Kann ja mal passieren

Pardon, natürlich nicht einfach so. Nach Angaben der US-Militärs handelte es sich bei allen eliminierten Personen ganz offensichtlich um bewaffnete Rebellen. Es gibt selbstverständlich keinen Grund, diese Annahme auch nur ansatzweise in Zweifel zu ziehen. Naja, nach dem Aufschrei in der Öffentlichkeit schon. Fehler passieren nun mal. Irrtümlich.

Als nach der ersten Gewehrsalve den Angeschossenen unbewaffnete Passanten zu Hilfe eilten, wurden auch diese unter Beschuss genommen. Offizielles Statement zu den Folgen der Feuersalven: Man könne sich einfach nicht erklären, wie es zu Toten gekommen sei.

Political language is designed to make lies sound truthful and murder respectable, and to give the appearance of solidity to pure wind.
(George Orwell)

Der Grund, warum ich dieses „alte“ Video aufgreife: In der vergangenen Woche fand vor dem US-Militärgericht in Fort Meade (Maryland) die dritte Anhörung des Obergefreiten Bradley Manning statt. Dem US-Soldaten wird vorgeworfen, in den Jahren 2009 und 2010 illegal hunderttausende geheime Militärdokumente ausspioniert und zur Veröffentlichung auf einer gewissen Internet-Plattform weitergegeben zu haben. Manning droht eine jahrelange Haftstrafe.

Und die Kommentare in US-Medien dazu?

„Soldat Manning hat sich für die Wahrheit über unsere schmutzigen Kriege im Irak und in Afghanistan eingesetzt; er ist ein amerikanischer Held!“

Oder:

„Wer Geheimnisse ausplaudern will, darf nicht zum Militär gehen.
Niemand hat ihn dorthin gezwungen.
Der Landesverräter gehört standrechtlich erschossen.“

Held? Landesverräter? – Was denn nun?

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